Warnung vor mutmaßlich irreführendem Stadtplan-Angebot von Kartoview
Braunschweiger Unternehmen werden derzeit per E-Mail aufgefordert, Anzeigen für einen angeblich neuen gedruckten Stadtplan zu buchen. Der Anbieter Kartoview wirbt mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren, einer einjährigen Verteilung sowie zahlreichen bereits dargestellten Anzeigen bekannter Unternehmen und Einrichtungen. Unsere Überprüfung hat jedoch ergeben: Mindestens zwei der abgebildeten Unternehmen haben für diesen Stadtplan keinen Anzeigenauftrag erteilt.
Das Angebot
In der uns vorliegenden Akquise-E-Mail bietet ein Absender mit der Adresse hgruber@kartoview.com eine Anzeige im Format 105 × 74 mm für 595 Euro statt angeblich regulär 1.295 Euro an.
Nach Aussage des Absenders soll der aufklappbare Papierstadtplan in einer Auflage von 50.000 Exemplaren hergestellt und ein Jahr lang durch Immobilienmakler und weitere Werbepartner verteilt werden. Als Anlage wurden zwei bereits vollständig gestaltete Stadtplan-Entwürfe mit zahlreichen Anzeigen übersandt.
Direkte Nachfrage: Zucker und Schwarzlichtlöwen haben keinen Auftrag erteilt
Wir haben bei zwei der auf dem Stadtplan dargestellten Braunschweiger Unternehmen direkt nachgefragt:
Restaurant Zucker
Das Restaurant Zucker bestätigte uns auf Nachfrage ausdrücklich, dass es keinen Anzeigenauftrag für diesen Stadtplan erteilt hat. Trotzdem erscheint im übersandten Entwurf eine vollständig gestaltete Zucker-Anzeige mit Logo, Bild, Anschrift und Kontaktdaten.
Schwarzlichtlöwen
Auch Schwarzlichtlöwen teilte uns mit, dass kein entsprechender Anzeigenauftrag erteilt wurde. Dennoch wird das Unternehmen im Entwurf wie ein bereits beteiligter Anzeigenkunde dargestellt.
Bei angeschriebenen Unternehmen kann dadurch der Eindruck entstehen, zahlreiche bekannte Braunschweiger Betriebe hätten das Projekt bereits gebucht oder unterstützt. Für die beiden von uns überprüften Anzeigen trifft das nachweislich nicht zu.
Weitere auffällige und offenbar falsche Darstellungen
La Cupola mit dem Bild eines anderen Restaurants
Im Entwurf ist eine Anzeige für das Restaurant La Cupola abgebildet. La Cupola befindet sich im sechsten Stock und ist unter anderem für sein besonderes Gewölbe und seine Dachterrasse bekannt. Das in der Anzeige verwendete Straßenmotiv zeigt jedoch nach unserer Kenntnis das Restaurant Troja und damit einen anderen Gastronomiebetrieb.
Anzeige eines dauerhaft geschlossenen Restaurants
Ebenfalls dargestellt ist eine Anzeige des Restaurants SoShe. Der Betrieb wurde bei unserer Überprüfung am 6. August 2026 im Google-Unternehmensprofil als „dauerhaft geschlossen“ angezeigt. Die Verwendung einer solchen Anzeige verstärkt die Zweifel daran, dass der übersandte Plan auf aktuellen, tatsächlich erteilten Anzeigenaufträgen beruht.
Ungeklärte Darstellungen von Stadt, Museen und Staatstheater
Der Entwurf enthält außerdem Anzeigen oder Darstellungen unter anderem vom Staatstheater Braunschweig, von Museen, der Stadt Braunschweig sowie weiteren bekannten Einrichtungen. Ob diese Organisationen der Nutzung ihrer Logos, Bilder und Gestaltungen zugestimmt oder einen Anzeigenauftrag erteilt haben, ist uns nicht bekannt. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit regionalen Werbeprojekten halten wir eine Überprüfung durch die betroffenen Einrichtungen jedoch für dringend geboten.
Ungeklärte Nutzungsrechte an Bildern, Logos und Werbegestaltungen
Die Entwürfe enthalten zahlreiche Logos, Fotografien, Werbegestaltungen, Texte und Kontaktdaten realer Unternehmen und Einrichtungen. Ob Kartoview für sämtliche verwendeten Inhalte über die erforderlichen Nutzungsrechte verfügt, können wir nicht abschließend beurteilen.
Betroffene Unternehmen, Fotografen, Agenturen und Institutionen sollten prüfen, ob ihre Inhalte ohne Zustimmung für die Akquise weiterer Anzeigenkunden verwendet werden. Das gilt insbesondere für:
- Logos und geschützte Marken,
- Fotos von Restaurants, Mitarbeitern oder Geschäftsräumen,
- vollständig gestaltete Anzeigen,
- Werbetexte und Slogans,
- Kontaktdaten und Unternehmensdarstellungen.
Was Unternehmen vor einer Buchung verlangen sollten
- einen verbindlichen Erscheinungs- und Verteilungstermin,
- einen überprüfbaren Nachweis der tatsächlich bestellten Druckauflage,
- den Namen und die Anschrift der beauftragten Druckerei,
- eine vollständige Liste der Verteilstellen und Werbepartner,
- die Namen der angeblich beteiligten Immobilienmakler,
- Belegexemplare und Verteilungsnachweise früherer Ausgaben,
- vollständige Vertragsbedingungen einschließlich möglicher Folgeausgaben,
- eine Bestätigung, dass keine automatische Verlängerung oder weitere Berechnung erfolgt.
Sind Sie ebenfalls betroffen?
Unternehmen und Einrichtungen, deren Anzeige, Logo, Foto oder Name in einem solchen Stadtplan ohne Auftrag oder Zustimmung verwendet wird, können uns eine kurze Nachricht senden. Auch Empfänger ähnlicher Akquise-E-Mails können uns die Unterlagen zur Dokumentation weiterleiten. Oder Sie nutzen die Kommentarfunktion.
Unser Fazit
Die uns übersandten Unterlagen und die Ergebnisse unserer eigenen Nachfragen begründen erhebliche Zweifel an der Seriosität und Verlässlichkeit des angebotenen Stadtplan-Projekts.
Mindestens zwei der im Braunschweiger Entwurf dargestellten Unternehmen haben ausdrücklich bestätigt, keinen Anzeigenauftrag erteilt zu haben. Hinzu kommen ein offenbar falsches Restaurantfoto, die Anzeige eines dauerhaft geschlossenen Betriebs sowie zahlreiche ungeklärte Darstellungen bekannter Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen.
Der professionell gestaltete Entwurf ist daher kein verlässlicher Nachweis dafür, dass die dargestellten Unternehmen tatsächlich beteiligt sind, die angekündigte Auflage gedruckt wird oder die versprochene Verteilung in der beschriebenen Form stattfindet.
Wir raten Unternehmen deshalb ausdrücklich davon ab, das Angebot ungeprüft anzunehmen oder sich durch den angeblichen Sonderpreis, Zeitdruck oder bereits dargestellte bekannte Unternehmen zu einer Buchung bewegen zu lassen.
Der BUTLER und Typusmedia stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu Kartoview und empfehlen dieses Angebot nicht.
Hinweis: Dieser Beitrag dokumentiert die uns vorliegenden Unterlagen und die Ergebnisse eigener Nachfragen. Ob darüber hinaus strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, können und wollen wir nicht beurteilen.
Kommentar von Oliver |
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